COST - europäischer Rahmen für Kooperation in Wissenschaft und Technik

COST ist ein Rahmen in der EU für die Koordination von naturwissenschaftlich-technischen Forschungsaktivitäten auf Regierungsebene, in den zugleich Forschungsorganisationen eingebunden sind. Seit den Anfängen 1971 ist die Beteiligung an COST auf Organisationen aus 56 Staaen weltweit angewachsen, die in unterschiedlichster Form zusammen arbeiten.

1. Grundsätzliche Ziele

Forschung wird in zunehmendem Maße international und über die klassischen Fächergrenzen hinweg durchgeführt. Hier setzt COST an: Nationale Forschungsaktivitäten werden europaweit in transdisziplinären Netzwerken (COST-Aktionen) zusammengeführt. Damit wird zugleich ein unbürokratischer Zugang zu weltweiten Kooperationen ermöglicht.

COST trägt dazu bei:

  • den Bedarf für internationale Kooperation und transdisziplinäre Forschung zu decken
  • europaweit vorhandene Kapazitäten von Wissen, technischer Ausstattung und finanziellen Ressourcen effektiv zu nutzen und dauerhafte Netzwerke zu schaffen
  • neue Themenfelder zu identifizieren und als Katalysator weiterführende Forschung anzustoßen
  • das EU-Forschungsrahmenprogramm zu ergänzen
  • die europäische Position in wissenschaftlich / technischer Forschung und Entwicklung zu stärken

2. Aufbau und Inhalte

COST ist - wie EUREKA - kein Forschungsprogramm mit thematischer Festlegung, sondern folgt dem "Bottom-up-Prinzip": Die Vorschläge für neue COST-Aktionen kommen von den Wissenschaftlern selbst. Für jede COST-Aktion wird ein "Memorandum of Understanding" verfasst, das nur diejenigen COST-Mitgliedsländer (mindestens 5) unterzeichnen, die bereit sind, sich mit ihren Wissenschaftlern zu beteiligen (so genannte variable Geometrie). COST hat sich in den 30 Jahren seines Bestehens zu einem der größten Kooperationsrahmen für Forschung entwickelt. Heute arbeiten nahezu 30.000 Wissenschaftler aus 34 europäischen COST-Mitgliedstaaten in rund 200 COST-Aktionen mit. Dazu kommen zurzeit mehr als 100 Forschungseinrichtungen aus Nicht-COST-Mitgliedsländern und internationale Nicht-Regierungsorganisationen.

3. Mehrwert für europäische und deutsche Forscher sowie Unternehmen

Der europäische Forschungsrahmen COST ist ein flexibler Mechanismus, um Wissenschaftler aus ganz Europa und darüber hinaus in produktiven, interdisziplinären Netzwerken zusammenzubringen. COST stellt damit einen Eckpfeiler des Europäischen Forschungsraums dar. Die Stärke von COST liegt in der vorwettbewerblichen Forschung, in der Vorbereitung von Normen und Standards, in der Lösung von grenz- und sektorüberschreitenden Problemen sowie in der Forschung zu Themen von öffentlichem Interesse. COST nutzt erfolgreich Synergien und schafft damit einen Mehrwert in der europäischen Forschung. Nicht zuletzt wird durch COST auch die europäische Integration gefördert. Der einfache Zugang für Institutionen aus Nicht-Mitgliedsländern macht COST darüber hinaus interessant als Beitrag zur Lösung globaler Probleme.

4. Best practice und Erfolgsstories

COST-Aktionen umfassen ein breites Spektrum an Themen und reichen von der Grundlagenforschung bis zur Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Unternehmen, z.B. bei der Entwicklung von Standards. Der heute weltweit genutzte GSM-Standard für Mobiltelefone entstand aus mehreren COST-Aktionen heraus und verhalf der europäischen Telekommunikations-Branche zu einem Vorsprung gegenüber den USA.

In Zusammenarbeit mit Biotechnologie-Unternehmen haben COST-Aktionen auch dazu beigetragen, Europa eine führende Stellung in der biologischen Bekämpfung von Schädlingen in der Landwirtschaft zu verschaffen. Ein herausragendes Beispiel ist hier die Anwendung von Nematoden zur Schneckenbekämpfung.

Einer der bekanntesten COST-Erfolge und Beispiel für die nachhaltige Wirkung von COST-Aktionen ist das "European Centre for Medium Range Weather Forecasts" in Reading, Großbritannien. Aus den ersten COST-Aktionen im Bereich Meteorologie heraus gegründet, ist es bis heute eine der weltweit führenden Adressen für Forschung und Anwendung im Bereich der mittelfristi-gen Wettervorhersage. Die dort erstellten zuverlässigen Wetterprognosen sind für Landwirte, Energieversorger, den Handel und natürlich auch für die Freizeitgestaltung aller Menschen eine heute selbstverständlich erscheinende und wichtige Einrichtung des täglichen Lebens.

COST nutzt der Gesellschaft und beschäftigt sich mit vielfältigen Aspekten der Sozial- und Geisteswissenschaften. Dabei werden konkrete Probleme angegangen, wie z.B. der Zugang älterer oder behinderter Menschen zum öffentlichen Nahverkehr. Ergebnisse aus COST-Aktionen in diesem Bereich wurden bereits in vielen europäischen Städten umgesetzt.

Auch die Grundlagenforschung in COST findet nicht im Elfenbeinturm statt, wie das Beispiel "Grüne Chemie" zeigt. COST hat hier eine führende Rolle und fördert die Kombination von Abfallvermeidung mit der nachhaltigen Produktion von Werkstoffen und Energie, so z.B. durch die Entwicklung von Verfahren zur industriellen Verwendung von superkritischem Kohlendioxid als Lösungsmittel.

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